Blog — Datenrettung und Cybersicherheit
Technische Analysen, Präventionstipps und Neuigkeiten zur Datenrettung von den Experten von SOS Data Recovery, Schweizer Labor seit 2006.
Blitz und Überspannung: die Elektronik stirbt, doch Ihre Daten überleben oft
Ein Blitzschlag oder eine Überspannung zerstört nicht Ihre Daten, sondern die Elektronik, die den Zugriff darauf ermöglicht. Bei einer Festplatte ist es fast immer die Elektronikplatine oder die Stromversorgung, die den Schlag abbekommt, während die Platten selbst unversehrt bleiben. Das Ergebnis: In den allermeisten Fällen genügt der Austausch der durchgebrannten Teile, um den Inhalt zurückzugewinnen. Zwei Reflexe zählen zuerst: nicht hartnäckig versuchen, ein Gerät wieder einzuschalten, das eine Überspannung erlitten hat, und bei jedem Brandgeruch misstrauisch werden.
Der folgende Text erklärt, woher die Spannungsspitze stammt, was je nach Datenträger durchbrennt und warum die Prognose oft gut bleibt.
Blitz, Überspannung, Fehlbedienung: woher die Spitze kommt
Blitz und Überspannung lassen sich auf dasselbe Phänomen zurückführen: einen plötzlichen Anstieg der Spannung in einem elektrischen Strom. Dieser Anstieg kann mehrere Ursachen haben.
Die banalste ist eine Fehlbedienung, ein Anschluss unter falscher Spannung. Ältere SATA-Festplatten liefern ein gutes Beispiel dafür. Sie verwendeten einen Molex-Stromanschluss, der 12 Volt und 5 Volt lieferte. Wenn dieser Anschluss ein wenig beschädigt war oder man Gewalt anwandte, war es möglich, ihn verkehrt herum anzuschliessen und 12 Volt dorthin zu senden, wo die Festplatte nur 5 erwartete. Das Bauteil überlebt einen solchen Fehler nicht.
Es folgt der Blitz im eigentlichen Sinne, der einen Spannungsanstieg im Stromnetz des Hauses hervorruft. Wenn die Stromversorgung des Computers nicht über eine ausreichende Sicherung verfügt, bahnt sich der überschüssige Strom einen Weg bis zum Datenträger und löst dort einen Kurzschluss aus. Ein wichtiger Punkt: Der Blitz muss nicht auf Ihr Dach einschlagen, um Sie zu treffen. Er kann in einiger Entfernung eine Hochspannungsleitung treffen, und die Überspannung breitet sich dann über das Netz bis zu Ihren Steckdosen aus. Das erklärt, warum Geräte mitunter mehrere Kilometer vom Einschlag entfernt durchbrennen.
Schliesslich sind Überspannungen und Kurzschlüsse nicht das Vorrecht von Gewittern: Sie begleiten auch Überschwemmungen, wenn Wasser Punkte eines unter Spannung stehenden Stromkreises verbindet.
Was durchbrennt und was sich retten lässt
Die gute Nachricht liegt in der Art, wie der Strom das Gerät durchläuft: Er brennt zuerst durch, was er zuerst antrifft, die Elektronik, bevor er, mitunter, das erreicht, was die Daten trägt. Die Prognose hängt also vom Datenträger ab.
| Datenträger | Was oft durchbrennt | Datenrettung |
|---|---|---|
| Festplatte | Elektronikplatine, mitunter die Köpfe | Gut: Austausch der Platine und Übertragung des ROM |
| SSD, USB-Stick | Der Controller oder sekundäre Bauteile | Unterschiedlich: schwierig, wenn der Controller betroffen ist |
| Server, NAS | Die vorgeschaltete USV, sofern vorhanden | Gut: der Server bleibt oft verschont |
Bei einer Festplatte genügt es, wenn die Überspannung auf der Ebene der Elektronikplatine geblieben ist, in der Regel, diese Platine auszutauschen und das ROM darauf zu übertragen, den Chip, der die festplattenspezifischen Anpassungsdaten enthält, um den Inhalt zurückzugewinnen. Wir haben allerdings bereits einen Fall gesehen, in dem auch die Lese-/Schreibköpfe vom Strom betroffen waren: Dann mussten sie zusätzlich ausgetauscht werden.
Bei einer SSD oder einem USB-Stick ist es heikler. Manchmal sind es sekundäre Bauteile, ein Kondensator, ein Widerstand oder eine Diode, die einen Kurzschluss verursachen und sich als defekt erweisen: Dann kann man sie austauschen. Doch sehr oft bekommt der Controller die Überspannung ab, und man findet die ganze Schwierigkeit einer Datenrettung an einer SSD mit totem Controller wieder, mit der Verschlüsselung und der Komplexität, die das mit sich bringt.
Brandgeruch: die richtigen Handgriffe
Nach einem Gewitter kommt es vor, dass zu Hause die Sicherungen herausspringen, ohne dass es deswegen eine Überspannung im internen Netz gegeben hätte. Ein Kurzschluss und eine Überspannung sind nicht dasselbe, und nicht alles brennt zwangsläufig durch.
Ein Signal hingegen täuscht nicht: der Brandgeruch. Wenn Sie ihn nach einem Gewitter oder einem elektrischen Zwischenfall wahrnehmen, suchen Sie die Quelle, bevor Sie irgendein Gerät wieder in Betrieb nehmen. Und wenn dieser Geruch von einem Computer stammt, versuchen Sie nicht, ihn wieder einzuschalten: Bringen Sie ihn direkt zu einem Spezialisten. Ein Gerät wieder einzuschalten, dessen Elektronik durchgebrannt ist, bedeutet, zu riskieren, die Schäden zu verschlimmern und das Problem auf noch intakte Bauteile bis hin zum Datenträger selbst zu übertragen.
Präzisieren wir, wovon hier die Rede ist. Es handelt sich nicht um einen kleinen, isolierten Kurzschluss, verursacht durch ein defektes Bauteil, das mehr schlecht als recht weiterarbeitet. Die Rede ist von einer ganzen Platine, die durch eine Überspannung kurzgeschlossen wurde. Und selbst in diesem Fall bleiben die Chancen einer Datenrettung in der Regel sehr gut, solange die primären Bauteile, der Speicherchip oder der Controller einer SSD, nicht betroffen sind.
Server und NAS: die USV bekommt den Schlag an Ihrer Stelle ab
Für alles Kritische, Server oder NAS, ist die Empfehlung klar: es hinter eine USV setzen. Der Nutzen geht über die blosse Stromkontinuität bei einem Ausfall hinaus. Bei einer Überspannung ist es fast immer die USV, die den Schlag anstelle der Hardware abbekommt. Sie opfert sich, wird ausser Betrieb gesetzt, und der Server schaltet sich ab, ohne einen direkten Schaden erlitten zu haben. Man erhält dann eine intakte Maschine zurück, sobald die USV ersetzt ist.
Umgekehrt ist ein Server oder ein NAS, der ohne USV und ohne Überspannungsschutz angeschlossen ist, genau wie ein gewöhnlicher Computer exponiert, mit dem zusätzlichen Risiko, mehrere Festplatten eines RAID gleichzeitig zu treffen. Der vorgeschaltete Schutz ist also kein Luxus: Er entscheidet am Tag des Gewitters, ob Sie eine USV oder einen ganzen Server verlieren.
Vorbeugung: USV und Überspannungsschutz
Die Regel ist einfach und richtet sich nach der Bedeutung des Geräts. Alles Kritische, ein Server, ein NAS, ein Arbeitsplatz, dessen abrupter Stillstand Schaden anrichten würde, verdient eine USV, die sowohl vor Ausfällen als auch vor Überspannungen schützt. Alles weniger Kritische, das aber ständig eingeschaltet bleibt, gewinnt dadurch, hinter einem Überspannungsschutz angeschlossen zu werden, einer Steckdosenleiste mit Schutz gegen Überspannungen.
Und wie immer ersetzt kein elektrischer Schutz ein Backup. Ein Überspannungsschutz verringert das Risiko eines Hardwareschadens, doch es ist eine Kopie Ihrer Daten, anderswo, die Ihnen garantiert, an dem Tag nichts zu verlieren, an dem der Blitz trotz allem durchkommt.
Häufige Fragen
Zerstört ein Blitzschlag die Daten einer Festplatte?
Meistens nicht. Die Überspannung brennt die Stromversorgung und die Elektronikplatine der Festplatte durch, doch die Platten, die die Daten tragen, bleiben in der Regel unversehrt. Ein Austausch der Platine und die Übertragung des ROM genügen dann in den meisten Fällen, um den Inhalt zurückzugewinnen.
Kann man eine Festplatte nach einer Überspannung retten?
Ja, in den meisten Fällen, wenn nur die Elektronikplatine betroffen ist. Es kommt vor, dass auch die Lese-/Schreibköpfe betroffen sind und ausgetauscht werden müssen. Bei einer SSD hängt die Prognose vom Zustand des Controllers ab, der schwerer zu umgehen ist.
Was tun, wenn ich nach einem Gewitter einen Brandgeruch wahrnehme?
Suchen Sie die Quelle des Geruchs, bevor Sie irgendetwas wieder einschalten. Kommt er von einem Computer, setzen Sie ihn nicht wieder unter Spannung: Bringen Sie ihn zu einem Spezialisten. Ein Gerät wieder einzuschalten, dessen Elektronik durchgebrannt ist, riskiert, die Schäden zu verschlimmern und den Datenträger zu erreichen.
Schützt eine USV meinen Server wirklich vor dem Blitz?
Zum grossen Teil, ja. Bei einer Überspannung ist es die USV, die den Schlag abbekommt und ausser Betrieb geht, während der Server sich ohne direkten Schaden abschaltet. Ein Server oder ein NAS ohne USV und ohne Überspannungsschutz ist wie jeder beliebige Computer exponiert.
Braucht man eine USV oder einen Überspannungsschutz?
Für kritische Hardware (Server, NAS) eine USV, die vor Ausfällen und Überspannungen schützt. Für den Rest, insbesondere was ständig eingeschaltet bleibt, mindestens einen Überspannungsschutz, eine Steckdosenleiste mit Schutz gegen Überspannungen. Keiner von beiden ersetzt ein Backup.
Kann eine Überspannung mehrere Festplatten gleichzeitig treffen?
Ja. Bei einem ungeschützten Server oder NAS kann eine Überspannung mehrere Festplatten eines RAID gleichzeitig erreichen und einen ganzen Bestand von Arbeitsplätzen treffen, die an dasselbe Stromnetz angeschlossen sind. Das ist einer der Gründe, kritische Hardware vorgeschaltet zu schützen.